Qype-User: Der Streit mit Yelp geht vor Gericht weiter

Viele deutsche Qype-User sind nicht gerade erfreut über die Maßnahmen, die der US-Bewertungsriese Yelp nach der Übernahme des deutschen Portals umgesetzt hat. So hatten sich viele Nutzer über lange Zeit meist durch gute Arbeit auch Spitzen-Bewertungen erkämpft, aber der amerikanische Konkurrent erkennt diese guten Feedbacks und Kommentare nun oft nicht mehr an und filtert diese durch eine Software offenbar heraus. Auch jede Menge positiver Kommentare erscheinen teilweise gar nicht mehr. Die Unternehmer zogen also vor Gericht und erwirkten in zahlreichen Fällen einstweilige Verfügungen, die Yelp das Aussortieren von Bewertungen untersagen. Doch davon lassen sich die Amerikaner nicht beeindrucken und spielen erst einmal auf Zeit.

Auch die Richter vom Landgericht Hamburg konnten das US-Bewertungsportal bislang noch nicht davon überzeugen, dass sie die Bewertungen bei ihrer deutschen Tochtergesellschaft Qype nicht filtern darf und damit auch nicht die Bewertungen ihrer deutschen Kunden herabstufen darf. Seit der Übernahme von Qype durch Yelp sollen zahlreiche Kommentare der Qype-User herausgenommen wurden sein und dadurch kommen nun viele Kleinunternehmer wie Restaurants, Friseure oder Boutiquen wesentlich schlechter weg. Logisch, dass dann die Kunden nicht mehr so zahlreich in die Geschäfte strömen. Gegen dieses Vorgehen hatten sich nun viele Unternehmer vor Gericht gewehrt und einstweilige Verfügungen erwirkt, aus denen hervorgeht, dass Yelp die Bewertungen nicht so einfach ohne weiteres Aussortieren darf.

Gegenüber der Wirtschaftswoche zeigte Yelp-Chef Jeremy Stoppelman auch nach den Verfügungen allerdings immer noch wenig Bereitschaft zum Handeln. Er sagte: “Von uns wurde nicht verlangt, etwas zu ändern.” Hendrik Sievers, Rechtsanwalt aus Hamburg, erklärt das Problem: “Yelp hat die Annahme der einstweiligen Verfügung verweigert. Obwohl eine deutsche Seite betrieben wird, behauptet Yelp, die deutsche Sprache nicht zu verstehen.” Die Schriftsätze des Gerichtes müssen nun ins Englische übersetzt werden und Yelps Europazentrale in Dublin zugestellt werden.

Yelp will sich mit diesem Vorgehen, Bewertungen und Kommentare zu entfernen, eigenen Aussagen zufolge vor Manipulationsversuchen schützen. Wie bei anderen Bewertungsportalen auch, kann es natürlich auch hier vorkommen, dass User-Meinungen gefälscht oder erkauft wurden sind. Stoppelman ergänzte dazu: “Etwa 25 Prozent der Bewertungen sind gefälscht oder verdächtig.” Jens Steinberg, Anwalt bei der Kanzlei Greyhills sagte zu diesem Prozentsatz: “In den Fällen, die ich bearbeite, wurden 90 bis 98 Prozent der Bewertungen ausgefiltert. Das kommt mir komisch vor, nachdem Yelp selbst angibt, dass im Schnitt nur circa 25 Prozent der abgegebenen Bewertungen gefiltert werden.” Nach Ansicht des Anwalts gibt sich Yelp auch gar keine große Mühe offenzulegen, warum nun genau bestimmte Beiträge gefiltert würden. Die Richter in Hamburg hatten festgestellt, dass es gar nicht erkennbar sei, dass die Amerikaner überhaupt Beiträge filtern dürften, denn das führt zu einem “Ansehensverlust” der betroffenen Unternehmer.

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